SUCHT UND ABHÄNGIGKEIT - WAS IST DAS?

Wir denken meist, Sucht spielt sich in asozialen Kreisen, am Bahnhof oder auf der Straße ab. Sie kann aber jede Familie treffen. Sucht ist ein komplexes Phänomen. Es gibt nicht eine Ursache, die zur Sucht führt, sondern ein Ursachenbündel von biolo- gischen, psychischen und sozialen Faktoren. Es stimmt auch nicht, dass nur ein be- stimmter Menschentyp süchtig wird oder bestimmte Lebensumstände in die Abhän- gigkeit führen. Das geschieht auch nicht urplötzlich, sondern schleichend. Meistens beginnt es ganz harmlos, und wir erkennen Warnzeichen häufig zu spät.

Jedes menschliche Verhalten kann zur Sucht führen,
wenn es exzessiv betrieben wird.

Manche Menschen werden von bestimmten Stoffen abhängig. Das können Tabak, Alko- hol oder Medikamente sein, also legale Drogen, oder von illegalen Drogen, wie Heroin, Kokain, Haschisch und Ecstasy. Andere hingegen leiden an einer Sucht, die nicht stoff- gebunden ist, wie Arbeitssucht, Glückspielsucht, Internet- und Computer(spiel)sucht usw.

Unser Verhalten wird durch unser Belohnungssystem gesteuert. Bei stoffgebundener Sucht  werden die bewusstseinsverändernden Substanzen (Drogen) von außen zugeführt. Bei nicht stoffgebundener Sucht stellt sich der als Belohnung empfundene Effekt, also das Kick-Erlebnis, durch körpereigene biochemische Veränderungen ein, die durch bestimmte exzessiv durchgeführte Verhaltensweisen ausgelöst werden. Sucht bedeutet immer Unfrei- heit und wird normalerweise nicht von heute auf morgen überwunden.

Merkmale einer Sucht sind die vermeintliche Unfähigkeit, ohne das Suchtmittel leben zu können. Der abhängige Mensch kann über den Konsum nicht mehr selbst entscheiden und braucht mit der Zeit immer höhere Dosen, bis die gewünschte Wirkung eintritt. Dies führt häufig zum Verlust von sozialen Bindungen und zu nachteiligen Veränderungen der Persönlichkeit.

Suchtmittelkonsum erfolgt oft auch als ein Versuch der Selbstmedikation, besonders bei einer bestehenden oder entstehenden psychischen Erkrankung. Man spricht dann von der Doppeldiagnose, wenn beide Krankheitsbilder parallel existieren.

Jugendliche sind besonders suchtgefährdet. Sie sind risikobereiter als Erwachsene und wollen ihre Grenzen erfahren. In der Pubertät müssen sie eine Fülle von Entwicklungsauf- gaben bewältigen.  Manchmal fühlen sie sich davon überfordert. Alkohol, Drogen, Medika- mente, Internet und PC-Spiele können für sie dann zum „Hilfsmittel“ werden, um sich den vermeintlich negativen Auswirkungen der Realität zu entziehen. Das Risiko, abhängig zu werden, wird dabei ausgeblendet.

Sucht ist als Krankheit anerkannt. Die Weltgesundheitsorganisation fordert, dass man suchtkranken Menschen weder eine Willens- noch eine Charakterschwäche unterstellt.